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MobiSaar will saarlandweit Mobilitätsbarrieren im ÖPNV abbauen

Freitag, 27. November 2015

Einstiegs- und Ausstiegshilfen in Bussen und Bahnen, Begleitung von der Haustür zum Zielort – und das saarlandweit: Das Projekt „MobiSaar – Mobilität für alle“ soll mobilitätseingeschränkten Menschen im Saarland den Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erleichtern. An dem auf fünf Jahre angelegten Projekt sind neun Unternehmen, Organisationen und Verbände aus dem Saarland und Baden-Württemberg beteiligt.

Ein Mobia-Lotse der Saarbahn hilft einer älteren Frau beim Einsteigen in den Bus.

Ein Mobia-Lotse der Saarbahn hilft einer älteren Frau beim Einsteigen in den Bus.

Mehr als andere Regionen ist das Saarland vom demografischen Wandel betroffen. Bis 2030 wird die Zahl der Älteren zunehmen. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die öffentliche Daseinsvorsorge, zu  der auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gehört. Dabei steht der ÖPNV vor einer doppelten Herausforderung: Zum einen wird sich seine Kundenstruktur stark ändern, zum anderen wird die Versorgung auf dem Land immer schwieriger, da die Nachfrage tendenziell sinkt und angesichts der Schuldenbremse mit geringeren staatlichen Ausgleichszahlungen gerechnet werden kann.

Neben den Älteren sind auch Menschen mit Behinderungen  auf ein ihren besonderen Anforderungen entsprechendes Angebot im ÖPNV angewiesen. Fast 11 Prozent der Saarländer leiden unter einer Behinderung, mehr als die Hälfte davon an einer erheblichen Gehbehinderung. Nach den Vorgaben des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) muss bis zum Jahr 2022 durch eine vollständige Barrierefreiheit des ÖPNV ihren besonderen Belangen entsprochen werden.

Ziel des Projektes MobiSaar

MobiSaar hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Mobilitätsmöglichkeiten  für ältere Menschen, Behinderte – auch in ländlichen Gegenden im Saarland – zu verbessern. Die in MobiSaar zu entwickelnden Dienstleistungen und Techniken sollen dazu beitragen, bestehende Barrieren im ÖPNV zu überwinden und damit die Attraktivität des öffentlichen Verkehrsangebotes zu verbessern.

Die Umsetzung des Projektes

Mit dem Projekt wird der Mobia-Service, der derzeit von der Saarbahn in Saarbrücken mit Unterstützung der B2M Software GmbH aus Karlsruhe angeboten wird, an das neue MobiSaar-Konzept angepasst und in mehreren Schritten auf das gesamte Saarland und somit auf den Saarländischen Verkehrsverbund (saarVV) ausgedehnt. Kernelemente sind die von so genannten Mobilitätslotsen angebotenen Dienstleistungen (Ein- und Ausstiegshilfe, Begleitservice), verbunden mit einer technologischen Anwendung über ein Smartphone (Fahrgast-App, Lotsen-App). Natürlich ist es – wie bisher bei Mobia – auch möglich, einen Lotsen per Telefon zu buchen.

Über die Fahrgast-App, über ein Online-Formular oder per E-Mail können Nutzer vor Fahrtbeginn die gewünschte Unterstützung durch Lotsen anfordern. Über die Lotsen-App werden die Lotsen automatisch disponiert. Die App erkennt, welche Lotsen zur Verfügung stehen und dirigiert die Lotsen zu den Fahrgästen. Wenn ein Lotse einen Auftrag beendet hat, meldet er über die App, dass er einen neuen Auftrag annehmen kann.

Eingesetzt werden zunächst „hauptamtliche Lotsen“. Es handelt sich dabei um Langzeitarbeitslose, die im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit die Möglichkeit haben, diese Aufgabe zu übernehmen. Finanziert wird der Einsatz durch das Jobcenter des Regionalverbands Saarbrücken. Das Lotsennetz soll im Verlauf des Projektes vor allem in den ländlichen Regionen durch ehrenamtliche Lotsen ergänzt werden. Darüber hinaus sollen für Regionen mit einem geringen ÖPNV-Angebot Mitfahrgelegenheiten im Auto organisiert werden. Zur Koordination der Mitfahrgelegenheiten wird eine zusätzliche App für „spontan freiwillige Lotsen“ (Autofahrer, die spontan eine Mitnahme in ihrem PKW zusagen) entwickelt. Neu ist auch, dass über die Bahnhofsmission Saarbrücken eine Begleitung in Zügen angeboten wird.

Es wird ein technisches Konzept entwickelt, das eine übergreifende Koordination  der unterschiedlichen Lotsen ( haupt- und ehrenamtliche, spontan freiwillige) für voneinander abhängige Dienstleistungen ermöglicht. Außerdem werden zusätzliche Informationen über die Beschaffenheit der Fahrzeuge und der Haltestellen geliefert, sodass eine barrierefreie Nutzung im Saarländischen Verkehrsverbund angeboten werden kann. Die Kunst wird darin bestehen, die Apps für den Nutzer möglichst einfach zu gestalten.

 

Die zentrale Stelle zur Koordination der Fahrten für MobiSaar ist das neugegründete saarVV Call- & Abo-Center, welches bei der Saarländischen Nahverkehrs-Service GmbH angesiedelt ist und Kunden und Lotsen als Ansprechpartner bei Fahrtbuchungen, Fragen oder Problemen mit dem MobiSaar-Service unterstützt.

Der Zeitplan

Das Projekt startet im Frühjahr 2016 in Saarbrücken. Dabei wird zunächst der Mobia-Service der Saarbahn weitergeführt. Mitte des Jahres soll der MobiSaar-Service auf den Regionalverband ausgedehnt werden. In den Jahren 2017 bis 2019 werden die einzelnen Landkreise sukzessive in das Projekt einbezogen, so dass ab 2020 ein saarlandweites Angebot vorhanden ist. Dieses Modell kann nach Abschluss des Forschungsprojektes auch auf andere Regionen in Deutschland übertragen werden. Die Ergebnisse von MobiSaar werden nach Abschluss des Vorhabens durch den Projektpartner B2M Software bundesweit vermarktet.

Neben vier weiteren Projekten wurde MobiSaar vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Wettbewerb „Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel – InnovaKomm“ aus einem Pool von insgesamt 140 Bewerbern ausgewählt. Die fünf Projekte werden seit dem 1. November 2015 mit rund 23 Mio. Euro gefördert. Das finanzielle Volumen des Projektes umfasst 8,09 Mio. Euro. Der Förderanteil des BMBF beläuft sich auf 59 % (rund 4,8 Mio. Euro).

Die Projektpartner

Wie bisher fungiert die Saarbahn auch bei MobiSaar als Verbundkoordinator. Außerdem ist sie für das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie wird außerdem ihre betrieblichen Erfahrungen aus Mobia in das neue Vorhaben einbringen.

Die Saarbahn GmbH ist eine Tochter der Stadtwerke Saarbrücken GmbH. Sie leistet den öffentlichen Personennahverkehr auf der Straße und auf der Schiene in der Landeshauptstadt Saarbrücken und im Regionalverband. www.saarbahn.de

Das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) e. V. ist eine im Jahr 1969 gegründete selbständige und unabhängige sozialwissenschaftliche Forschungseinrichtung in Saarbrücken. Auftraggeber des Instituts sind überwiegend Bundes- und Länderministerien, des Weiteren Stiftungen, Einrichtungen der Forschungsförderung, die Europäische Kommission, Kommunen, Verbände, Kammern und Unternehmen der privaten Wirtschaft aus Industrie und Dienstleistung. Ein gewichtiger Arbeitsschwerpunkt des iso-Instituts besteht in der anwendungsorientierten Forschung zur Handhabung von Technologien der Mensch-Technik-Interaktion (MTI). Es verfügt darüber hinaus in den Bereichen demografischer Wandel und Mobilitätsdienstleistungen über ausgewiesene Expertisen. Weitere Schwerpunkte sind „Alter und Pflege“ und die Entwicklungsdynamik des Dienstleistungssektors, die Verknüpfung von Produktions- und Dienstleistungssektor sowie die sozialwissenschaftliche Technikforschung. Zu den Arbeitsschwerpunkten im Projekt gehören u.a. die Begleitung des Ausrollprozesses von MobiSaar im gesamten Saarland durch Ansprache der relevanten Player sowie die Organisation des Prozesses mit den operativen und strategischen Partnern, das Erstellen eines Nicht-technischen Konzepts zur Umsetzung der Projektidee, die Erhebung der Anforderungen der Fahrgäste und Lotsen an das Gesamtsystem im Rahmen des User-Centered Designs, Bearbeitung der ELSI-Fragestellungen, Begleitung des Evaluierungsprozesses des Piloten im Feldtest, Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit sowie bei der Akquisition der Kunden und Lotsen und Mitwirkung bei der Entwicklung des Geschäftsmodells.

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) mit den Standorten Kaiserslautern, Saarbrücken, Bremen (mit Außenstelle Osnabrück) und einem Projektbüro in Berlin ist auf dem Gebiet innovativer Softwaretechnologien die führende Forschungseinrichtung in Deutschland. In der internationalen Wissenschaftswelt zählt das DFKI zu den wichtigsten "Centers of Excellence" und ist derzeit gemessen an Mitarbeiterzahl und Drittmittelvolumen das weltweit größte Forschungszentrum auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und deren Anwendungen. Das Finanzierungsvolumen lag 2014 bei 38,4 Millionen Euro. DFKI-Projekte adressieren das gesamte Spektrum von der anwendungsorientierten Grundlagenforschung bis zur markt- und kundenorientierten Entwicklung von Produktfunktionen. Aktuell forschen mehr als 450 Mitarbeiter aus ca. 60 Nationen an innovativen Software-Lösungen mit den inhaltlichen Schwerpunkten Wissensmanagement, Cyber-Physical Systems, Multilinguale Technologien, Planbasierte Robotersteuerung, Robotics Innovation Center, Innovative Retail Laboratory, Institut für Wirtschaftsinformatik, Eingebettete Intelligenz, Intelligente Analytik für Massendaten, Intelligente Netze, Agenten und Simulierte Realität, Erweiterte Realität, Sprachtechnologie, Intelligente Benutzerschnittstellen, Innovative Fabriksysteme. Der Erfolg: über 60 Professoren und Professorinnen aus den eigenen Reihen und mehr als 60 Spin-Off-Unternehmen mit ca. 1.700 hochqualifizierten Arbeitsplätzen.

Die B2M Software GmbH ist ein Softwareunternehmen, gegründet 2005 und angesiedelt in Karlsruhe und München. B2M entwickelt softwareintensive Lösungen zur Förderung und Erhaltung der Mobilität im Horizont des Demografischen Wandels. Produkte und Projekte der B2M Software sind angesiedelt sowohl im Smart City Umfeld als auch im ländlichen Raum. Die B2M Software hat aus den Forschungsergebnissen von Mobia mit zusätzlichem hohen Investment das Produkt MobiTech entwickelt. Dieses Produkt vermarktet B2M bereits erfolgreich in Städten und Kommunen in ganz Deutschland. Innerhalb von MobiSaar bringt B2M als Technik-Partner die MobiTech-Lösung ein, passt diese im Laufe des Vorhabens auf die MobiSaar-Bedürfnisse an und entwickelt weitere für den MobiSaar-Service erforderliche Komponenten

Die vielfältigen Aufgaben des Saarländischen Verkehrsverbundes (saarVV) nimmt die Saarländische Nahverkehrs-Service GmbH (SNS GmbH) wahr. Die SNS GmbH versteht sich als Plattform für die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Verbundmitglieder und übernimmt das Management des Verbundtarifs. Sie dient als Schnittstelle zwischen Kunden und Verkehrsunternehmen sowie den Landkreisen, Städten und Gemeinden. Die Koordination und ständige Verbesserung der Angebote im saarVV gehört zu den Hauptaufgaben der SNS GmbH, insbesondere die Weiterentwicklung des Verbundtarifs, der Aufbau und die Weiterentwicklung einer zentralen und umfassenden Kundeninformation, die Öffentlichkeitsarbeit und das Verbundmarketing, die Abstimmung und Planung des Verkehrsangebots mit dem Ziel der Entwicklung eines leistungsstarken und zukunftsorientierten Nahverkehrsangebots sowie die Koordination der Verbundpartner. www.saarvv.de

Die Neue Arbeit Saar gGmbH, eine Einrichtung der Diakonie, ist eine der ältesten Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaften Deutschlands. Sie beschäftigt sich mit der Rückkehr arbeitsloser - insbesondere langzeitarbeitsloser - Menschen in den Arbeitsmarkt. Mit den verschiedensten arbeitsmarktpolitischen Programmen versucht sie ungetane, sozialverträgliche und ökologisch sinnvolle Arbeit, besonders im kommunalen und gemeinwohlorientierten Bereich, zu erledigen und gleichzeitig damit arbeitslosen Menschen wieder einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu verschaffen.

Zurzeit werden etwa 500 arbeitslose Menschen an verschiedenen Standorten im Saarland beschäftigt.

Die Gesellschafter der NAS sind die Evangelischen Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West. Das Unternehmen wird vertreten durch die Geschäftsführerin Monika Steffen-Rettenmaier.

www.neue-arbeit-saar.de

Mit rund 40.000 Mitgliedern ist der Sozialverband VdK Saarland e.V. die größte aktive Selbsthilfeorganisation im Saarland. Er bietet Rat und Hilfe für Senioren, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige und deren Angehörige, Familien und sozial benachteiligte Menschen.

Neben der Rechtsberatung für seine Mitglieder in sozialrechtlichen Anliegen zu Rente, Behinderung oder Gesundheit gegenüber Behörden, gesetzlichen Versicherungsträgern und dem Sozialgericht, bilden Ehrenamtliche die starke Basis des VdK. In 197 Ortsverbänden und sieben Kreisverbänden im Land engagieren sich rund 2000 ehrenamtliche Mitstreiter für die Interessen von Mitgliedern und Ratsuchenden. Hier liegt der Ansatzpunkt für ein Engagement des VdK im Projekt MobiSaar. Saarlandweit können über diese Ehrenamtsstrukturen sowohl Kunden für das Projekt wie auch ehrenamtliche und freiwillige Lotsen gewonnen werden. www.vdk.de/saarland

Die Landesarbeitsgemeinschaft PRO EHRENAMT e.V. ist ein landesweit tätiger, unabhängiger und freiwilliger Zusammenschluss saarländischer Organisationen (Vereine, Verbände, Initiativen, Selbsthilfegruppen) und Privatpersonen aus allen Bereichen des Ehrenamtes (Soziales, Kultur, Kirche, Sport, Umwelt-, Natur-, Tierschutz). Die LAG Pro Ehrenamt ist die Dachorganisation für das Ehrenamt im Saarland. Sie wurde 1997 gegründet und setzt die Initiativen aus dem Jahr des Ehrenamtes 1996 fort. Die LAG vertritt die Interessen der saarländischen Ehrenamtlichen (z.B. in politischen Gremien), fördert positive Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement und setzt sich für ein neues frisches Bild des Ehrenamtes ein, das in unsere Gesellschaft passt und alle Menschen anspricht. www.pro-ehrenamt.de

Bahnhofsmission -  Diakonisches Werk/ Caritasverband
Die ökumenische Bahnhofsmission ist eine Einrichtung des DIAKONISCHEN WERKES AN DER SAAR und des Caritasverbandes für Saarbrücken und Umgebung.  Sie ist seit 90 Jahren für alle Menschen am Bahnhof da, gleich welchen Alters, Nationalität, Hautfarbe, sozialer Herkunft oder Religion. Die 30 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, sie helfen unter anderem beim Ein,  Aus- und Umsteigen, begleiten zum Taxi, dem Bus oder der Saarbahn. Die Bahnhofsmission wird mit speziell geschulten und befähigten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Begleitung von mobilitätseingeschränkten Menschen in der Bahn innerhalb des Saarlandes bei Bedarf sicherstellen. Von Montag bis Freitag ist die Bahnhofsmission von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr für die Menschen am Bahnhof da.