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Neue Züge für die Saarbahn-Flotte: Zulassungsverfahren und Fahrgastbetrieb - SB
Neue Züge für die Saarbahn-Flotte: Zulassungsverfahren und Fahrgastbetrieb - SB
Neue Züge für die Saarbahn-Flotte: Zulassungsverfahren und Fahrgastbetrieb - SB
(v. l.) Saarbahn-Betriebsleiter Michael Irsch, José Francisco Palomares (Projektleiter Stadler Valencia), Thorsten Erlenkötter (VDV-TramTrain-Projektleiter), Mar Rivas (Stadler Valencia) und Daniel Schambach (Stadler Deutschland) informierten über den Status quo. (Bild Saarbahn/Iris Maurer)
Sechs Bahnbetreiber aus zwei Ländern und eine einzige Fahrzeugplattform – so lässt sich das für die Branche einmalige Beschaffungsprojekt „VDV-TramTrain“ auf den Punkt bringen. Das Besondere an den Fahrzeugen ist, dass sie umsteigefrei zwischen Straßenbahn- und Eisenbahnstrecken wechseln können. Hierdurch werden die Vorteile einer Straßenbahn – sprich dichte Erschließung der Innenstadt – mit den Vorteilen der Eisenbahn im Umlandverkehr kombiniert. Somit kann die Saarbahn zwischen Lebach und dem lothringischen Saargemünd umsteigefreie Direktverbindungen anbieten.
„Wir investieren in die 28 TramTrains rund 140 Millionen Euro. Bis 2028 soll die komplette, rund 30 Jahre alte Flotte, vollständig modernisiert werden. An diesem Ziel halten wir fest, auch wenn sich das Zulassungsverfahren leider zwischenzeitlich etwas verzögert hat“, sagt Saarbahn-Geschäftsführer Karsten Nagel. Zum Hintergrund der Verzögerung im Zulassungsverfahren ergänzt der Saarbahn-Betriebsleiter Michael Irsch: „Die neuen Fahrzeuge müssen für einen sogenannten ‚vollwertigen Mischbetrieb‘ sowohl für den Betrieb als Straßenbahn gemäß der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab) als auch für den Betrieb als Eisenbahn gemäß der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) erstmalig zugelassen sein. Das Verfahren ist sehr komplex“. Dafür müssen zwei getrennte Zulassungsverfahren durchlaufen we-den, bevor die neuen Fahrzeuge in den Fahrgastbetrieb gehen können. Die beiden Regelwerke unterscheiden sich in vielen technischen und betrieblichen Anforderungen wie beispielsweise bei Lichtraumprofilen, Radreifen‑/Schieneninteraktion, Stromsystemen, Signalisierung, Bremswegen und Crashnormen. Nicht zuletzt müssen die Saarbahn-Fahrzeuge dann auch noch für den kurzen Streckenabschnitt nach Saargemünd zugelassen werden. „Erfreulicherweise kann und wird sich die französische Behörde dabei in wesentlichen Teilen auf die deutsche EBO-Zulassung stützen“, so Irsch weiter.
ie Saarbahn ist in das Zulassungsverfahren von Stadler eingebunden und hat seit Anfang Februar 2026 zwischenzeitlich bereits drei neue TramTrains der zweiten Generation, mit denen weitere umfangreiche Test- und Zulassungsfahrten für die Stadler-Zulassung stattfinden. Das vierte Fahrzeug, das sich aktuell noch in München auf der Eisenbahnstrecke befindet, wird im April ebenfalls in Brebach erwartet.
Mit den vor Ort verfügbaren Fahrzeugen startet die Saarbahn bereits ab dem 16. Februar mit der Schulung der rund 100 Triebfahrzeugführer, der Werkstattmitarbeiter und sonstigen später mit den Fahrzeugen befassten Mitarbeitern. Ab diesem Zeitpunkt startet die Saarbahn zudem mit einer sogenannten Betriebserprobung. Unterschiedliche Fahrer simulieren ohne Fahrgäste den Fahrbetrieb der neuen TramTrains. „Wenn alles danach weiterhin planmäßig verläuft, können wir möglichst noch im ersten Halbjahr die neuen Fahrzeuge im Innenstadtbereich, also auf der BOStrab-Strecke, im Probebetrieb mit Fahrgästen als Verstärker zwischen den normalen Taktlagen einsetzen“, sagt der Betriebsleiter.
Bei Stadler in Valencia schreitet parallel die Fertigung der nächsten Fahrzeuge weiter voran. Zwei weitere Fahrzeuge wurden zwischenzeitlich bereits fertiggestellt und die Werksabnahme durch die Saarbahn für eine spätere Überführung nach Saarbrücken ist bereits erfolgt. Die Überführung aus Valencia erfolgt nach Vorliegen der Zulassung.
Das komplexe Zulassungsverfahren, für das Stadler verantwortlich ist, ist noch nicht komplett abgeschlossen und erfordert in den nächsten Wochen noch wichtige Teilschritte. „Das Zulassungsverfahren ist ein langwieriger Prozess – insbesondere im Fall eines TramTrains, bei dem sowohl der Eisenbahn- nach EBO als auch der Straßenbahnbetrieb nach BOStrab zugelassen werden müssen. Dabei sind verschiedene Gutachter und Behörden beteiligt. Eine Typzulassung bis zum Jahresende war nicht möglich, aber wir sind auf einem guten Weg. Die Prüfungen auf dem Eisenbahnversuchsring in Velim, in der Klimakammer in Wien und im EMV‑Labor in Mün-chen (elektromagnetische Verträglichkeit) sowie die Tests hier in Saarbrücken sind bereits abgeschlossen“, berichtet José Francisco Palomares, Projektleiter Stadler Valencia. „Um einige Zahlen zu nennen: Insgesamt haben wir 2.300 Dokumente an die Gutachter übergeben. Mehr als 750 einzelne Anforderungen wurden mit den Prüfern diskutiert.“
Die notwendigen Prüfergebnisse liegen weitestgehend vor, sodass sie in diesem Monat bei der Technischen Aufsichtsbehörde, dem Eisenbahn-Bundesamt und den jeweils zuständigen Landeseisenbahnaufsichten eingereicht werden können. Stadler und die Verkehrsunternehmen des VDV-TramTrain-Konsortiums arbeiten hierfür eng und transparent mit den Behörden zusammen, um den Prozess so effizient wie möglich zu gestalten.
Sowohl Stadler als auch das VDV-TramTrain-Konsortium hoffen auf eine möglichst schnelle Be-arbeitung durch die Behörden, damit die Fahrzeuge nachfolgend zügig in den Fahrgastbetrieb gehen können. Der VDV-TramTrain-Gesamtprojektleiter Thorsten Erlenkötter: „Mit den ersten Saarbahn-Fahrzeugen, dem laufenden Test- und Zulassungsprozess und der finalen Zulassung legen wir das Fundament für die Zulassung aller weiteren Fahrzeuge – auch derjenigen unserer Kooperationspartner. Dieser Weg ist geprägt von vielen kleinen Erfolgen, von Enttäuschungen und vom geduldigen Warten. Umso mehr danke ich der Saarbahn sowie Stadler und ihren Mitarbeitenden im Namen des gesamten TramTrain-Konsortiums für ihr Engagement und ihre Ausdauer. Dieser Prozess ist ebenso einzigartig wie das Projekt selbst.“
Sechs Verkehrsunternehmen aus Deutschland und Österreich bündeln ihre Kräfte: Mit dem Projekt „VDV-TramTrain“ entstand erstmals eine gemeinsame Fahrzeugplattform, die Maßstäbe für den Schienenverkehr setzt. Das Beschaffungskonzept ist in der Branche weltweit einzigartig. Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung erhielt der Fahrzeughersteller Stadler mit Sitz im schweizerischen Bussnang den Zuschlag für den Bau von bis zu 504 (Festbestellung 246) Tram-Trains. Das Beschaffungsvolumen beträgt rund 4 Milliarden Euro. Produziert werden die Fahrzeuge in Valencia. Mit Stadler besteht zudem ein Instandhaltungsvertrag über die gesamte Lebensdauer der Fahrzeuge. Stadler hat zur Erfüllung des Instandhaltungsvertrages wiederum einen Subunternehmervertrag mit den Betreiberwerkstätten geschlossen. Dieser Vertrag sichert die Arbeitsplätze in den Werkstätten für die nächsten 32 Jahren.
Das vereint sechs Verkehrsunternehmen aus Deutschland und Österreich:
• Saarbahn GmbH (SBN)
• Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK)
• Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG)
• Regional-Stadtbahn Neckar-Alb (RSBNA)
• Schiene Oberösterreich (SOÖ)
• Schiene Salzburg.
| 08 / 2020 | Gemeinsame europaweite Ausschreibung |
| 01 / 2022 |
Auftragsvergabe an Stadler – Gesamtauftragsvolumen 4 Mrd. Euro (für das Konsortium) |
| 12 / 2022 | Erstmalige Vorstellung eines Mockups (22 Meter langes Modell) in Karlsruhe |
| 09 / 2024 | Präsentation auf der InnoTrans (weltgrößte Fachmesse für Verkehrstechnik) in Berlin |
| 06 / 2025 |
Erstmalig erreicht ein neues TramTrain-Fahrzeug Saarbrücken Vorstellung der neuen Saarbahn-TramTrains derÖffentlichkeit Start wesentlicher Teile des komplexen Zulassungsverfahrens (Verantwortung Stadler) vor Ort auf der von der Saarbahn bedienten Strecke |
| 02 / 2026 | Start der Fahrerschulung und Beginn der Betriebsbeprobung (ohne Fahrgäste) |
| 04-06 / 2026 | Probebetrieb (mit Fahrgästen) im innerstädtischen Bereich |
| 06 / 2026 |
aktueller Zielhorizont Stadler für die Typzulassung (vorbehaltlich der noch laufenden Schritte Stadler / Aufsichtsbehörden) |
| in H2 2026 |
Start des Einsatzes im regelmäßigen Fahrgastbetriebs bei der Saarbahn (Verfügbarkeit von rd. 10 neuen Fahrzeugen im zweiten Halbjahr erwartet) (geplant war H1 / 2026) |
| bis 2028 |
nachfolgend sukzessive Einsteuerung aller 28 neuen Bahnen in den Fahrgastbetrieb Einsatz auf der S1 zwischen dem französischen Saargemünd und Lebach |
Weitere Infos unter www.saarbahn.de/tramtrain
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